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Symposium und Netzwerktreffen der nn-akademie




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„Wir sind schon da. Gruß aus Eden“

Symposium und Netzwerktreffen 22. – 24. August 2014 in Nürtingen

 

Die soziale Plastik im Dienst der Transformation
ein Bericht vom Symposium und Netzwerktreffen
22. – 24. August 2014
in Nürtingen

„Wir sind schon da. Gruß aus Eden“ – so lautete der lapidare und wohl auch etwas provokative Titel eines dreitägigen Symposiums, das das nn-Institut Ende August in der Nürtinger Alten Seegrasspinnerei veranstaltet hat. Darf man, so könnte man nämlich fragen, angesichts der allgegenwärtigen Krisen und Katastrophen überhaupt von Eden, zumal einem ganz und gar diesseitigen, reden? Ist das nicht bloße Augenwischerei, haltloses Wunschdenken, ja noch schlimmer: Verharmlosung des mitunter schrecklichen Zustandes unserer Welt?
Dass dieser bei  dem Symposium nicht aus den Augen verloren wurde, dafür sorgten schon allein die Flüchtlinge, deren Weg in ihr Containerdorf über das Gelände der Seegrasspinnerei führte.  Darüber hinaus wurde aber gleich beim Eröffnungsabend klar, dass wir der Kraft der Vision nicht entbehren können, wenn das Negative nicht übermächtig werden soll.
Deshalb wurde auch gleich anfangs das Bewusstsein für den „Eden-Raum“, den jeder Mensch in sich trägt, wachgerufen. Wenn auch mehr oder weniger infolge Enttäuschungen und kultureller Konditionierungen verschüttet, sei dieser Raum für jeden, so Thomas Oser von der nn-akademie, eine Quelle positiver Kräfte, die Instanz, welche unseren Sinn für das Liebenswerte und die Schönheit nährt – selbst unter den widrigsten Bedingungen. Dies vor Augen wurden die Teilnehmenden eingeladen, bei einem Spaziergang ihre Eden-Erlebnisse einem anderen mitzuteilen und sodann in der großen Runde vorzutragen. Diese Beiträge wurden dann von Michael Kiedaisch, der das gesamte Symposium musikalisch begleitet hat,  spontan auf seinem Schlagwerk beantwortet.
Vor dieser künstlerischen Aktion hatte Andreas Meyer-Brennenstuhl die Leitideen des nn-institutes ausgeführt: Wie kann die Kunst mit ihren Mitteln die Rückkehr bzw. die zukünftige Einkehr in den Garten Eden befördern? Dabei machte der Vorsitzende der nn-akademie deutlich, dass er Kunst in erster Linie nicht als „Museumskunst“ verstanden wissen will, sondern als Handlungsform, die das persönliche und gesellschaftliche Leben zu transformieren vermag. Damit war man natürlich auch bei Joseph Beuys und seinem vielleicht größten Beitrag zur Kunstgeschichte: der Idee der sozialen Plastik, auf welche im weiteren Symposium immer wieder rekurriert wurde.
Wenn sich ein Symposium mit solchen Fragen beschäftigt, ist zu erwarten, dass dieses keine bloße Aneinanderreihung von Vorträgen wird: Und so vielseitig es am Freitag begonnen hatte, so unkonventionell  ging es teilweise am Samstag mit den eingeladenen Referenten weiter:
Der Oxforder Kunst- und Philosophiedozent Dr. Wolfgang Zumdick, Spezialist für Soziale Plastik, versagte sich der Powerpoint (Un-)Kultur und malte auf eine schwarze Tafel die Beuyschen Gedanken zum transformativem Potential der Kunst: Von dem ersehnten Wärmepol des Wirklichkeit sind wir – in der Todeszone erstarrt – gewissermaßen durch eine Mauer getrennt. Dieses Bild der Mauer samt den Fragen, woraus sie generiert und wie sie zu überwinden ist, wurde zu einem Leitmotiv des  Symposiums.
Eine ganz andere Versuchsanordnung wählte Werner Ratering, (Sozial-)Plastiker in der Gemeinschaft Tempelhof, indem er das Plenum in Kleingruppen aufteilte und sodann goldene Verschlussstreifen verteilte. Diese bogen die einzelnen zunächst für sich, dann im Dialog mit der Gruppe zu Avataren, in denen das, was im Augenblick gerade ist, zum Ausdruck kam.
Danach war der Kopf wieder frei für die Präsentation von Helga Müller: Die ehemalige Galeristin zeigte Bilder ihres mariposa-Projektes  auf Teneriffa – ein bis in den letzten Winkel künstlerisch gestalteter Garten Eden, in dem u.a.  Besucher aus Wirtschaft und Kultur dem not-wendigen gesellschaftlichen Wandel nachsinnen.
Ganz in Eden angekommen war man dann beim Mittagessen, das Angelika Grün, Köchin in Tempelhof, sinnlich ansprechend auftischte.  Nach dieser kulinarischen Pause war der Raum frei für die Berliner Kulturwissenschaftlerin Hildegard Kurt (und.institut), die bekannt dafür ist, dass sie ihre wissenschaftlichen Vorträge als eine Art soziale Plastik versteht: So führte sie – mit biografischen und meditativen Elementen – das Publikum auf eine Reise, bei welcher unter den erstarrten Formen der Realität die wirkende Kräfte des Wirklichen sichtbar wurden. Ein wichtiger Bezugspunkt hierbei war der Übergang von der gegenständlichen zur abstrakten Malerei zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts.
Einen Ortswechsel  initiierte sodann die Kunst- und Polit-Aktivistin Lea Hinze von Schloss Tonndorf: Sie leitete im windigen Innenhof der Seegrasspinnerei Begegnungen mit der Luft an. Inspiriert von schamanistischen Praktiken und Gemeinschafts-Gedanken von Scott Peck machte sie erfahrbar, dass wir mehr sind, als unsere oberflächliche Schwundstufe unserer Individualität vermuten lässt.
Den Abschluss des Vortragsreigens bildeten die beiden jüngsten Referenten: Saskia Breithardt und Martin Winiecki von der Schule terra nova in Tamera. Illustriert  durch Fotos von ihrem Heilungsbiotop in Portugal  führten sie anschaulich aus, wie wir Menschen aus einer derzeitigen kulturellen Prägung aussteigen können und uns von Neuem in die Ordnung der Natur und des Kosmos einfügen können. Zentral für ihr Projekt ist insbesondere die Heilung der Beziehung zwischen Mann und Frau, aber auch eine friedfertiger Umgang mit allem Lebenden und der Natur. Eindrücklich zeigte die beiden, wie in Tamera ein fast schon verwüsteter Landstrich in wenigen Jahren in ein wasserreiches Eldorada verwandelt wurde.
Der letzte Tag des Symposiums war dann der praktischen Erprobung der am Samstag vorgestellten Erkenntnissen gewidmet: Hildegard Kurt inszenierte in ihrem Workshops eine Reise zu den wandelnden Gärten in uns selbst und führte so den Gedanken vom inneren „Eden-Raum“ weiter aus. Werner Ratering verabreichte „Kunst in homöopathischer Dosis“, indem er mit Wachs einen dialogischen Gruppenprozess in Gang setzte. Auch die Leitideen  der  Schule terra nova wurden weiter vertieft und anschaulich gemacht; Thomas Oser schließlich setzte sich in einem Workshop philosophisch und theatral mit dem Eden-Gedanken auseinander.
Das Symposium war ein verheißungsvoller Auftakt für die weitere Arbeit der nn-akademie: Sie wird fortan regelmäßig Angebote machen, wie Kunst verstanden als Handlungsform dem anstehenden Wandel unserer Welt dienen kann. So wird diese Initiative zu einem inspirierenden Mitspieler auf einem Feld werden, auf dem mehr und mehr Menschen zu einer schöneren Welt beitragen.

  Die Begrüßung zum Nachlesen >>>
Die Vorstellung der nn-akademie zum Nachlesen >>>
Die Eröffnungsrede zum Nachlesen >>>
Einführung in die Eden-Plastik zum Nachlesen >>>
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Im Vorfeld des Symposiums immer Mittwochs in die Paradise-Lounge am Neckar:

https://www.facebook.com/events/1456752494580019/?ref=51&source=1

   
symp2013  Das „reset symposium“ fand im August 2013 im „Hölderlinpark“ auf dem Gelände der Freien Kunstakademie in Nürtingen statt.

Alles könnte anders sein: meine Lebenswirklichkeit und mein Handeln im privaten, beruflichen und gesellschaftlichen Umfeld. Um zu wissen, wie es sein könnte, brauchen wir zuerst unseren Möglichkeitsinn und dann den Mut, den reset-Schalter zu betätigen. Alles zurück auf Null setzen, um Möglichkeiten in Wirklichkeiten zu verwandeln.

In einem inspirierenden Umfeld, in dem wir mit gleichgestimmtem Menschen zusammenkommen, können wir dazu unsere kollektive Kreativität nutzen. Der Erfahrungsschatz der Kunst bietet uns dann die passenden Handlungsformen, um konkret zu werden.

Das reset-symposium soll den passenden Ort bieten, an dem wir uns Zeit und Raum dazu nehmen können.

Diesen Raum wollen wir vom ersten Tag an gemeinsam gestalten und anschließend in einer „permanenten Konferenz“ reflektierend um- und weitergestalten: schützende Behausungen bauen, eigene und gemeinsame Orte definieren, alltägliche Bedürfnisse und Formen des Zusammenarbeitens und -lebens miteinander klären, kurz: einen temporären „Ort der Lebenskunst“ gestalten.

Um sich (auch als sog. „Kunst-Laie“) künstlerischen Handlungsoptionen anzunähern, wurden begleitend „workshops“ angeboten, die wahlweise belegt werden konnten: „plastisch denken“ mit Christiane ten Hoevel und „freischwimmen“ mit Andreas Mayer-Brennenstuhl. Gemeinsames Kochen war Teil des Workshops. Auch diese Aktion war zugleich ein „workshop“ in dem eine anscheinend alltägliche Handlung ästhetisch reflektiert wird. Die Workshops (täglich 2 Std) sind als Inspiration gedacht und öffnen den Raum für eigenes künstlerisches Arbeiten.

Lehrende und Lernende im weiten Feld der Kunst sind dazu eingeladen, sich mit uns gemeinsam in einen Erfahrungsaustausch zu begeben, wie diese Erweiterung von Kunst in Lebenskunst gelingen kann und wie dieses Anliegen in einer weiteren Perspektive auch lehrbar wird.

Organisatorisches
Das Symposium ist ein soziales und künstlerisches Experiment. Das betrifft auch die Finanzierungsfrage: anstelle einer festgelegten Seminargebühr erfolgte die Finanzierung des Symposiums über eine freiwillige Spende.

Die notwendige Arbeitsorganisation vor Ort ist Teil des sozialen und künstlerischen Prozesses. Die Kosten für das Essen (Frühstück, Mittagsvesper, warmes Abendessen (vegetarisch) sind obligatorisch.

geleitet wird das Seminar von Andreas Mayer-Brennenstuhl und Christiane ten Hoevel
Weitere Fotos unter https://www.facebook.com/NochNichtInstitut?ref=hl