Praxisprojekte Kultur- und Gesellschaftsgestaltung

Die Kunst der Zukunft ist eine KULTUR- und GESELLSCHAFTSGESTALTUNG. Deshalb erstreckt sich die künstlerische Praxis, für die wir qualifizieren wollen, auch über das traditionelle Arbeitsfeld der Kunst hinaus – nämlich auf alle Bereiche, für deren Gestaltung wir als freie und schöpferische Menschen verantwortlich sind. Das heißt: Es geht um die Ausgestaltung unserer Kultur in all ihren Aspekten: sozialen, ökonomischen, materiellen, emotionalen, geistigen, spirituellen…

Hier zeigen wir einige Projekte, die wir derzeit planen bzw. die wir bisher schon realisiert haben. Sie dienen als Anregung und Vorstellungshilfe für das, was wir in Zukunft gemeinsam mit den TeilnehmerInnen unserer Angebote und Workshops erarbeiten wollen.

bsp4 kp1 „THE GREAT BIG BURNING BERLIN RUIN DESASTER“
Ein Video-Projekt mit „schwer vermittelbaren arbeitslosen Jugendlichen“
Gemeinsamer Bau von Kulissen und Equipment, Entwicklung eines dramaturgischen Handlungs-Stranges, schauspielerische Improvisation, Dreharbeiten.
bsp4 kp2 „ADVERTISING BATTLE“
Übermalung von Werbetransparenten mit Jugendlichen, Bau einer Architektonischen Installation aus den Einzel-Elementen Teilansichten der Installation in einem öffentlichen Park in Posznan als Beitrag zur
„BIENNALE SZUKI DLA DZIEKA „ Poznan, Polen 2009
bsp4 kp3 „RUIN“
Partizipatives Kunstprojekt in einem öffentlichen Park in Öhringen. Mit Hilfe von Kindern sowie Jugendlichen entsteht innerhalb einer Woche aus zerschnittenen Fotofolien des Brandenburger Tores eine „Ruinenarchitektur “. die anschließend als Treffpunkt und offene Bühne für vielfältige kulturelle Selbstdarstellungen der Kinder und Jugendlichen genutz wurde.
bsp4 kp4 Aktionspool
In einem hochschulnahen Park befindet sich ein leeres Teichbecken, das zunehmend verfällt. Um es zu `reanimieren´ wurde es umgetauft in `Aktionspool´ und ein künstlerisches Aktionsprogramm entwickelt.
In einer wochenlangen Auseinandersetzung trafen sich die Studierenden immer wieder im Pool, um verschiedene Umgangsweisen auszuprobieren und herauszufinden, welche künstlerischen Interventionen an solch einem speziellen Ort Sinn und auch Spass machen. Das daraus entwickelte zweitägige Programm umfasst eine komprimierte Ausstellung von Papierobjekten, eine Aktion zum Thema Bedinungsloses Grundeinkommen, eine Lesung mit Musik, Miniperformances, eine Zeichensetzung, die sich vom Pool ausgehend durch die ganze Stadt zieht, eine kollektive Poolpigmentierung und als Abschluss im Dunkel der Nacht Lichtprojektionen.
bsp4 kp5 „BAUART" Ein Kunstprojekt im Strafvollzug
Gemeinsam mit Studierende des Studiengangs Kulturgestaltung bauen jugendliche Häftlinge einen Bauwagen um zu einem mobilen Verkaufsstand für künstlerische Werke, die sie unter Anleitung der Studenten selbst gefertigt haben. Mit Mosaiktechnik wurden Betonplatten zu Kunstwerken umgestaltet, die nun öffentlich verkauft werden können und so den Häftlingen Kontakt zur Außenwelt ermöglichen unter einer ganz neuen Perspektive: Als künstlerisch sich ausdrückende Menschen.
(Schwäbisch Hall 2003)
bsp3 sp1 Projektreihe mit Vorträgen, Ausstellungen, Filmen
zum Thema „Sterben, Tod, Bestattung“

Jeder Mensch stirbt seinen eigenen Tod- aber ist es tatsächlich sein eigener? „Das Grosse vorbei...“ soll Gelegenheit geben sich mit dem Sterben als einem kulturellen Ereignis zu befasen, das uns alle betrifft und das wir zunehmend selbst gestalten müssen.
Sterben ist heute multikulturell und individuell. Ein Bedürfnis nach eigenen Formen von Sterben, Trauerarbeit und Bestattung wird immer deutlicher. Wir befragen Vertreter der verschiedenenWeltreligionen nach deren Bestattungsformen, zeigen aktuelles Sarg-und Urnendesign und haben einen Vertreter der „Friedwald-Bewegung“ aus der Schweiz zu Gast
bsp3 sp2 Projektreihe mit Vorträgen, Workshops, Ausstellungen,Theater, Lesungen zum Thema „Eros“
In Zeiten der hemmungslosen Vermarktung von Sexualität hat es der Eros schwer. Wie sind Berührtsein und Intimität vereinbar mit Öffentlichkeit, welche Schutzräume brauchen wir für deren Kultivierung? Wie können Menschen mit Behinderungen ihre Erotik leben?
Eine Ausstellung zum Thema „Haut“, ein Tangoabend, musikalische Abende und Lesungen sowie Vorstellung verschiedener Massage- und Körpertherapieformen lassen das Thema hautnah erlebbar werden.
bsp3 sp3 Projektreihe mit Vorträgen, Workshops, Ausstellungen, Kabarett und Filmen zum Thema „Zeit“
Was ist Zeit aus physikalischer, was aus philosophischer Sicht und was bedeutet sie individuell für uns? Wie verändert sich unser Zeitempfinden in Zeiten des „rasenden Stillstandes“? Fragen nach Zeiterfahrung, Zeitmanagement, nach dem Sinn der Zeit angesichts der Ewigkeit werden hier gestellt, und vor allem: wie können wir entschleunigen?
Der „Verein zur Verzögerung der Zeit“ ist u.a. zu Gast im Provisorium. Wir nehmen uns die Zeit .
bsp3 sp4 Projektreihe mit Vorträgen, Workshops, Ausstellungen, Theater und Filmen zum Thema „Geld“
Die aktuellen Entwicklungen verlangen ein Umdenken im Umgang mit Geld. Wir stellen Fragen nach der individuellen und gesellschaftlichen Bedeutung von Geld, nach der Wirkung von Zinsen, nach regionalen Wertschöpfungen und Regionalwährungen, nach bedingungslosem Grundeinkommen und sozialem Kapital.
Mit Beiträgen von Peter König, Johannes Stüttgen, Attac, GLS-Bank, Thomas Mayer, Ulrich Rösch
Die Projektreihen im Kulturzentrum ProVisorium e.V. wurden organisiert von Maria Hullermann, Meike Düßmann, Reimund Ostermann und Andreas Mayer-Brennenstuhl
bsp2 us1 „CollecTor“
Der „CollecTor“ war Ausgangspunkt für Kunst-Aktionen in Öhringen (Ba. Wü.) von Studierenden der Hochschule für Gestaltung Schwäb. Hall, Studiengang KULTURGESTALTUNG unter Anleitung von Prof. Andreas Mayer-Brennenstuhl  Ziel der temporären Projekte war, bei möglichst großer Anteilnahme der Bevölkerung die lokale Identität zu thematisieren und über den Weg der Selbst-Wahrnehmung zur Selbst-Darstellung der lokalen Identität zu gelangen: Wie sehen wir uns selbst? Wie wollen wir gesehen werden? Wie werden wir von außen gesehen? Was ist besonders an unserer Stadt?
Das Team initiierte Begegnung mit und unter den Öhringern und setzte damit einen kommunikativen Prozess in Gang, der schließlich zu einem authentischen Stadtzeichen führen sollte. Dabei rückte die klassizistische Vorstadt Öhringens und ein dem "Brandenburger Tor" nachempfundenes Stadttor  als identitätsstiftende Elemente in den Aufmerksamkeitsfokus. Am Ende des Prozesses wurde dann ein Duplikat des" Brandenburger Tores" in Originalgröße am Stadteingang als Zeichen der lokalen Identität für die Dauer von 2 Jahren errichtet
bsp2 us2 „LIMINAL RESPECT“
Beitrag zu „72 HOURS URBAN ACTION“, einem „Echtzeit-Architektur-Wettbewerb“, bei dem 10 Teams innerhalb 72 Stunden eine anspruchsvolle architektonische Lösung für eine vorgegebene Aufgabe lösen mussten.
Die Aufgabe für unser Team bestand darin, einen Innenhof, der von Passanten illegal als Durchgang benutzt wurde, so umzugestalten, dass die Passage respektvoll gegenüber den Anwohnern genutzt wurde. Das Team löste die Aufgabe durch Umgestaltung mittels einer spielerischen Balkenkonstruktion, die die Passage zwar erschwerte, sie aber dennoch offen lies und ästhetisch aufwertete. Die gelungene Lösung wurde von der international besetzten Jury mit dem „award for best architecture“ ausgezeichnet.
   
bsp6 p1 „UNSERE PLATTFORM“
„UNSERE PLATTFORM“ ermöglicht das öffentliche Gespräch zu aktuellen Themen, die die Menschen in Hinblick auf die derzeitigen Veränderungen des politischen, sozialen und öffentlichen Raumes beschäftigen.
Das öffentliche Rundgespräch wird hier geführt auch im Sinne einer „Kunst“: Spielregeln des Miteinander-Sprechens werden gemeinsam erarbeitet und abgesprochen, um dem Gespräch eine möglichst gute Qualität zu geben.
Das Ambiente für „UNSERE PLATTFORM“ besteht aus orangefarbenen Stapelstühlen , einer Verstärkeranlage mit Mikrophon sowie einem Einkaufswagen mit 3 Texttafeln und ist jederzeit und überall einsatzbereit.
bsp6 p2 „UNSER PAVILLON“
UNSER PAVILLON war ein Projekt der souveränen Selbstermächtigung im besetzten „Mittleren Schlossgarten“ in Stuttgart von März 2011 bis Februar 2012, initiiert von Künstler_innen und Aktivist_ innen an der Schnittstelle zwischen künstlerischer und gesellschaftlicher Praxis im Rahmen der kritischen Bürgerbewegung gegen das umstrittene Immobilien-Projekt S21.
In und um UNSEREN PAVILLON wurde die Bürgerschaft über Alternativen zu den Planungen der Bahn informiert und der öffentliche Dialog über das Projekt gefördert im Sinne einer „Befriedung“ der Lagerbildungen in Stuttgart
bsp6 p3 „PARKBEFRIEDUNG“
Im Konflikt um Stuttgart 21 hatten AktivistInnen den bedrohten „Mittleren Schlossgarten“ in Stuttgart besetzt. Darüber entspann sich ein öffentlicher Konflikt von Befürwortern und Gegnern des Projektes. Um diesen Konflikt konstruktiv zu thematisieren, „umfriedete“ die Künstlergruppe SOUP das illegale Camp mit einem künstlerisch ansprechenden Sicht-und Wetterschutz aus Fotofolien, die Trümmerstücke des Brandenburger Tores zeigen. Die diskursive Vielschichtigkeitt der Aktion dokumentierte sich in der Überschrift des „Bekennerschreibens: „PARKBEFRIEDUNG“
   
   
bsp6 p8 Stehende Demonstration
Im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung Citizen Art Days in Berlin wurden in Gesprächen mit den Besuchern Ideen gesammelt, wie man in eine Postwachstumsgesellschaft hineinwachsen kann. Ein Extrakt dieser Ideen wurde auf Demonstrationsschilder übertragen, die langsam zu einem Wald von Aussagen anwuchsen. Sie suggerieren den Moment vor einer Demonstration, bevor die Aktivisten mit den Schildern, d.h. mit ihren Ideen, in die Öffentlichkeit gehen.
(Die Vorgehensweise ist übertragbar auf andere Themen.)
www.citizenartdays.de
bsp1 gt1 „SYSTEM ERROR RESET“
Dieses Projekt im Internet vernetzt Menschen, Projekte und Organisationen, die angefangen haben, aus einem NEUEN DENKEN heraus zu handeln. Wir wollen Projekte anregen und dokumentieren, die aus dem Geist der künstlerischen Kompetenz ins Handeln kommen, sei es aus der Perspektive der künstlerischen oder der gesellschaftlichen Praxis. Wir zeigen Projekte, die diese beiden Aspekte sinnvoll zusammenbringen. Öffentlichkeitswirksam kreiste zur Eröfnung der documenta 13 ein Flugzeug mit Werbebanner über den Eröffnungsfeierlichkeiten in Kassel.
bsp1 gt2 “DIE KUNST DES WIRTSCHAFTENS”
Anlässlich des Symposiums „Die Kunst des Wirtschaftens“ wurden von Studierenden der HKT Nürtingen künstlerische Projekte entwickelt, die sich kritisch Entwicklungen der Ökonomie auseinandersetzen.
Vor dem Eingangsbereich wurde u.a. das Projekt „Zone der Verschwendung“ realsiert, bei dem sich die Besucher in Hängematten ausruhen konnten, die unter einem überdimensionalen Mobile aufgespannt wurden, das Motive aus dem „Schlaraffenland“ aufgriff. Aus einem Käsestück zitierte eine Stimme Texte von G.Batailles, die ungewöhnliche Perspektiven auf ökonomische Phänomene eröffnen.
bsp1 gt3 „TITANIC LOOP“
Die Installation „TITANIC LOOP“ war ein Beitrag zu STUTTGART OPEN FAIR, einer lokalen Aktion, die in Zusammenhang mit dem internationalen WELT-SOZIAL-FORUM stattfindet und die Globalisierungs-Probleme kritisch thematisiert. 2013 stand die Stuttgarter Veranstaltung unter dem Motto „ENDSTATION - ALLES EINSTEIGEN“
Die untergehende Titanic aus Autoreifen ist eine partizipative Installation, in der eine angeleitete Interaktion mit dem Publikum zu einer Reflexion über eigene Projekt-Ideen zum Thema „Endstation- alles Einsteigen“ auffordert.